Die Stiftungsratspräsidentin hat vor fast 20 Jahren am Inselspital Bern das prospektive Berner Register VASCOM (Bernese VAScular COngenital Malformations) aufgebaut, das Grundlage für viele wissenschaftliche Arbeiten der Berner Arbeitsgruppe ist. Das Register erlaubt, was Einzelfallserien nicht können, Zusammenhänge zwischen klinischem Bild, Anatomie, Genetik und Behandlungsergebnis bei denselben Menschen zu verfolgen.
Klassifikation und internationale Konsensusdokumente. Eine gemeinsame Sprache ist die Voraussetzung dafür, dass Zentren ihre Erfahrungen überhaupt vergleichen können. Die Berner Arbeitsgruppe hat an den massgeblichen internationalen Konsensusdokumenten zur Behandlung arteriovenöser Malformationen (IUA 2013), zu Diagnose und Therapie venöser Malformationen (IUP 2015) und zu den diagnostischen Leitlinien für vaskuläre Anomalien insgesamt (ISVI-IUA 2015) mitgeschrieben. Aus Bern selbst stammen die Beschreibung der kapillär-venulären Malformation als mikrofistuläre Variante der arteriovenösen Malformation und eine phlebographische Zusatzklassifikation, die den Aufbau venöser Malformationen beschreibt.
Anhand des Berner VASCOM Registers wurde das Krankheitsspektrum bei mehr als 500 Schweizer Patienten systematisch analysiert. Schmerz war bei allen Formen der Gefässfehlbildungen das führende Symptom. Weitere Begleitprobleme waren Blutung und Hautulzeration bei arteriovenösen, lokalisierte Gerinnungsstörung bei venösen und Infekte bei lymphatischen Malformationen. Beinlängendifferenzen traten bei syndromalen Formen zehnmal häufiger auf. Weitere Arbeiten galten den arteriovenösen Malformationen in ihren einfachen und syndromalen Ausprägungen sowie, gemeinsam mit dem Freiburger Register, den komplexen lymphatischen Anomalien.
Fast alle diese Fehlbildungen entstehen durch somatische Mutationen, die nur im erkrankten Gewebe vorliegen und in der Regel nicht vererbt werden. In Bern wurde ein tumorgenetisches Sequenzierpanel in die Abklärung eingeführt und damit gezeigt, dass die selteneren PIK3CA-Varianten ausserhalb der bekannten «Hotspots» in einem höheren Anteil der Zellen vorliegen und signifikant häufiger mit syndromalen Verläufen einhergehen. In arteriovenösen Malformationen konnte die Arbeitsgruppe eine bislang unbekannte Veränderung im Gen RIT1 nachweisen, die den RAS-MAPK-Signalweg überaktiviert und sich im Modell durch einen MEK-Hemmer blockieren lässt. Damit rückt für eine Krankheit, die bisher fast ausschliesslich mechanisch behandelt wird, erstmals eine medikamentös zielgerichtete Option in Reichweite.
Gemeinsam mit Ingenieurinnen und Ingenieuren wurden die Strömungsverhältnisse in peripheren arteriovenösen Malformationen quantitativ charakterisiert und die Machbarkeit einer stereotaktischen, MRI-gestützten Navigation für die Punktion tiefliegender Malformationen mit dem Ziel Eingriffe planbarer und den Zugang präziser zu machen, geprüft.
Die Berner Gruppe hat eigene Resultate der interventionellen Behandlung arteriovenöser Malformationen veröffentlicht und für die venösen Malformationen die bislang einzige Vergleichsstudie mit Kontrollgruppe vorgelegt. Es konnte gezeigt werden, dass die Alkoholembolisation den alltäglichen Dauerschmerz signifikant reduzieren kann. Die Arbeit hat aber auch die Komplikationen dieser Behandlung aufgezeigt und darauf hingewiesen, dass für jede Patientin und jeden Patienten ein individualisiertes Therapiekonzept erarbeitet werden sollte.